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Extrem Tuning
Versuche mit Lachgas und Dax 70
geschrieben von Georg Clemm und Andreas Hübner
Vor einigen Jahren, es wird 1991 gewesen sein, war ich schon einige Zeit vom Frisieren von Daxen begeistert und hatte auch schon einige Erfahrungen gesammelt. In der Garage stand eine originale 70er Dax,
die, Für kleines Geld gekauft, auf ihre Restaurierung wartete. Ein Bekannter von mir, Andreas Hübner genannt Hübi, jobte zu dieser Zeit als Mechaniker bei einer Autowerkstatt, in der auch getunt wurde. Hier kamen
wir beide das erste Mal mit Lachgastuning in Berührung. Lachgas
- das bedeutet neben Sprengstoffzusätzen zum Treibstoff die brutalste Form der Leistungssteigerung an Kolbenmaschinen. Ursprünglich entwickelt wurde die Lachgaseinspritzung im 2.Weltkrieg, um Kampfflugzeugmotoren in kritischen Luftkampfphasen zu mehr Leistung zu verhelfen. Der Gedanke reifte eine Weile..
Was würde der Daxmotor zu einer Lachgaseinspritzung sagen? Wir mußten es versuchen. Es wurde eine gebrauchte Lachgasanlage beschafft, die allerdings immer noch ca.1.000.-- DM kostete. Eine solche Anlage besteht
aus einer Druckflasche, ähnlich einer Taucherflasche, einer elektrischen Benzinpumpe, zwei Magnetventilen (das Lachgasventil ist beheizt) und einer sogenannten Foggerdüse, mit der Lachgas und zusätzlich Benzin in
das Saugrohr eingespritzt werden. Es wurde eine Transistorzündanlage mit Hochleistungszündspule montiert und als Stromquelle diente eine Motorradbatterie. Diverse Spezialteile mußten angefertigt werden, so z.B. ein
neues Saugrohr, ein Aluflansch für die Foggerdüse und ein offener Auspuff, denn die Zuhörer sollten nicht zu kurz kommen. Der Originalvergaser blieb erhalten. Zusätzlich wurde ein Schalter am Gasgriff angebracht,
denn Lachgas sollte nur bei Vollgas zuschaltbar sein. Zum Schalten bei Vollgas mit automatischer Zündunterbrechung diente ein Schalter am Schalthebel. Eines Nachts um 2 Uhr war es soweit. Total im Fieber wurde
die Dax auf die Straße geschoben und angetreten. 1.Gang, 2.Gang, 3.Gang, Vollgas und dann der Druck auf den magischen Knopf - es folgte ein infernalisches, zwischen Kreischen und Knattern anzusiedelndes Geräusch,
gewaltiger Vortrieb - und 2 Sekunden (!) später war die Kopfdichtung auf etwa 3cm Umfang herausgesprengt. Der Motor lief dennoch einige Sekunden weiter. Dann - die Masseelektrode der Zündkerze war geschmolzen - ging
nichts mehr. Sofort wurde der Kopf demontiert. Geschockt vom Zustand der Kopfdichtung ließen wir die Versuche einige Tage ruhen. Eine neue Kopfdichtung wurde aus Kupferblech gesägt, geglüht und montiert. Eine 13er
Zündkerze wurde gesucht und schließlich gefunden. Orkanbooster wurde ebenso besorgt wie Flugzeugbenzin. Zu sehr hatte das Geräusch des Motors an klopfende Verbrennung erinnert. Die Verdichtung wurde durch eine
Aluplatte unter dem Zylinder verringert, längere Stehbolzen und Paßhülsen montiert. Beim nächsten Versuch klappte es viel besser, wenn man davon absieht, daß Georg im 1.Gang an den Lachgasknopf kam und prompt
abgeworfen wurde. Wenn uns damals die Polizei erwischt hätte - nachts, ohne Kennzeichen und infernalisch laut - es ist zum Glück nichts passiert. Fortgesetzt wurden die Fahrten dann auf einem stillgelegten
Autobahnrastplatz in der Nähe. Eine gute Idee, denn das Gelände war abgespeert und somit nichtöffentlicher Verkehrsraum. Dort "verheizten" wir noch einige Kolben und experimentierten mit der Abstimmung
und der Bedüsung. Die Kurbelwelle, das Getriebe und die Kupplung steckten die Überlastung problemlos weg, mit den Kolben gab es dafür dauernd Ärger. Die Feuerstege brachen herunter, die Kolbenböden sanken ein usw..
Sogar der stabile Kolben der CB350Four gab den Geist auf. Um dies zu vermeiden, Mußten wir die zugeführte Lachgasmenge reduzieren. Dennoch blieb das Fahrzeug spektakulär. Wenn es in voller Fahrt vorbeibrauste, kam
eine Flamme aus dem rotglühenden Auspuff, die der eines riesigen Propanbrenners glich. Beim Treffen in Braunschweig sollte die Dax beim Beschleunigungsrennen zeigen, was in ihr steck. Leider ging bei den
Probeläufen wieder einmal der Kolben kaputt, der zu große Verbrennungsdruck hatte ein markstückgroßes Loch in den Kolbenboden gesprengt. Das ist das Ende der Geschichte - die Dax wurde zerlegt, sandgestrahlt,
lackiert und verkauft. Ob der neue Besitzer sich irgendwann über eine angeschmolzene Düsennadel gewundert hat? Leider gibt es keine Bilder mehr von der Lachgasdax. Wer in Braunschweig welche
gemacht hat und sich vielleicht davon trennen könnte, würde uns damit eine große Freude machen.
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